Zusammen durch bolivische Salzflächen, alleine über chilenische Sanddünen

Fotoshooting auf der Salzfläche
Auf dem Salar de Uyuni

Bolivien und Chile – zwei benachbarte Länder, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Bolivien– ich liebe dieses Land. Es ist für mich ein Land der Gegensätze: arm und heruntergekommen außerhalb der Stadt, modern und hübsch innerhalb der Stadt. Dschungel, Städte, Berge und Salzflächen, hier findet man alles. Chile – sehr viel reicher, teurer und entwickelter. Aber mindestens genauso schön und aufregend.

Isla de Pescadores
Isla de Pescadores

Was ist also seit meinem letzten Blogeintrag alles passiert? Eine ganze Menge! Nachdem wir endlich Paraguay verlassen hatten, kamen wir dann auf den größten Umwegen endlich nach Bolivien. Vorher waren wir aber erstmal 48 Stunden illegal in Brasilien – denn es war Sonntag und das Immigrationsbüro somit geschlossen. Da wir aber nicht noch länger als nötig in Brasilien bleiben wollten hieß es – dem Busfahrer ein bisschen Geld zuzuschieben, damit er uns ohne Stempel mitnahm, dann einen Tag lang kreuz und quer durch Brasilien fahren und am nächsten Tag mit klopfendem Herzen ganz cool über die brasilianische Grenze Richtung Bolivien laufen. Der erste Teil lief glatt, niemand hielt uns auf, um nach unserem brasilianischen Stempel zu gucken. Dann hieß es, über die bolivische Grenze zu kommen – aus Brasilien kommend, aber ohne Stempel. Das war natürlich auch das erste, was der bolivische Polizist zu uns sagte: Wo ist euer Stempel aus Brasilien? Woraufhin ich dann in gebrochenem Spanisch erklärte, dass wir mit dem Boot aus Paraguay gekommen sind. (Was ja auch mal der ursprüngliche Plan war) Diese Antwort reichte ihm aber leider nicht und er schüttelte nur den Kopf. Was dann zur Folge hatte, dass ich einfach immer wieder den gleichen Satz wiederholte: „ Con Barca de Paraguay, con Barca de Paraguay! „ (Was sich als „ Mit dem Boot aus Paraguay“ übersetzen lässt) Irgendwann hatte die Immigrationsfrau dann genug von meinem immer wieder wiederholten Satz, seufzte und drückte uns den Stempel in den Pass. Endlich, Holá Bolivien – nach einer Woche ununterbrochenem Reisen waren wir endlich da!

Salz wohin man schaut
Salz wohin man schaut

Die nächsten Tage verbrachten wir in Santa Cruz: Entspannung pur. Die Sonne schien, wir chillten am Pool, um 15 Uhr war Caipirinha-Happy Hour – und Paraguay war vergessen! Nach Santa Cruz ging es weiter nach Sucre, der historischen Hauptstadt Boliviens. Dort kauften wir erst einmal warme Lama/Alpaka-Pullover ein, denn wir wollten nach Uyuni, einer kleinen Stadt im Süden Boliviens. Von dort aus kann man einen 3-Tages-Trip durch ein Gebiet Boliviens machen, von dem ich vorher noch nie gehört hatte, das aber atemberaubend ist. In diesem Teil Boliviens befindet sich eine riesige Fläche von Salz. 12000 km² ist das Gebiet groß, früher war dies einmal Ozean. Der Trip war der absolute Knaller. Wir fuhren in Jeeps über die Salzfläche und bestiegen eine Insel voller Kakteen in der Mitte der Salzfläche. Wir verbrachten Stunden damit, verrückte Fotos zu machen, die nur aufgrund der riesigen Salzfläche möglich waren. Wir schliefen in einem Gebäude aus Salz, schliefen in Betten aus Salz, saßen auf Stühlen aus Salz und aßen an Tischen aus Salz. Salz, Salz, Salz wohin man nur schaute. Am nächsten Morgen hieß es um 6 Uhr aufstehen und weiter ging die Tour. Auf nicht vorhandenen Straßen fuhren wir immer höher, sahen merkwürdige Steinformationen, Lagunen voller Flamingos, Pflanzen, die Steine verschlingen und kamen der Höhe von 5000 Metern immer höher. Was ich ganz eindeutig an meinen immer stärker werdenden Kopfschmerzen merkte. Als wir dann inmitten eines Vulkans standen, rechts und links von uns 200 Grad heiße Löcher in der Erde, dachte ich, dass mein Kopf gleich explodiert. 5000 Meter sind wirklich hoch. Abends saßen wir dann inmitten der Wüste bei 0 Grad Außentemperatur in einer Art „Whirlpool“, einem natürlichen 38 Grad heißem Erdloch und betrachteten den Sternenhimmel. Kann das Leben noch besser werden?

Vor mir die Düne, hinter mir die Wüste
Vor mir die Düne, hinter mir die Wüste

Am nächsten Tag hieß es dann für mich und Mike Abschied nehmen. Wir hatten beschlossen, uns für eine Woche räumlich zu trennen. Er wollte nach La Paz, der Hauptstadt Boliviens im nord-westlichen Teil des Landes. Ich hatte aber noch keine Lust auf eine nächste Stadt und da wir durch den Trip durch die Salzflächen direkt an der Grenze zu Chile waren, beschloss ich, diese Möglichkeit beim Schopf zu packen und ein bisschen was von Chile zu sehen. Der Jeep brachte mich und ein paar andere Backpacker, die auch nach Chile wollten, zur Grenze und dann hieß es – adieu Bolivien, hallo Chile. Ich finde es immer wieder aufregend, von einem Land in ein anderes zu fahren! Obwohl nur einige hundert Meter zwischen den beiden Grenzen liegen, könnten Chile und Bolivien kaum unterschiedlicher sein. Während Bolivien ein wirklich armes Land ist und für mich genau so ist, wie ich mir Südamerika immer vorgestellt habe, merkt man sofort, dass Chile sehr viel reicher ist. Nicht nur, dass alles hier drei Mal so teuer ist wie in Bolivien (die Preise sind prinzipiell europäische Preise), auch die Städte sind viel entwickelter, die Menschen anders gekleidet – einfach ein sehr viel weiter entwickeltes Land. Um das mit Beispielen deutlich zu machen: Während in Bolivien Trinkgeld optional ist, wird in Chile und Brasilien im Restaurant automatisch 10 % deiner Rechnung als Trinkgeld auf den zu zahlenden Betrag addiert. Ein anderes Beispiel: die Fernverkehrsbusse. Die Busse in Bolivien fallen prinzipiell auseinander, die Sitze sind nicht verstellbar, es gibt keine Toilette an Bord gibt und der Bus hat mindestens eine Panne pro Fahrt. In Chile hingegen habe ich mich im Bus wie eine Prinzessin gefühlt. Gemütliche Sitze, die sich fast horizontal verstellen lassen, Fernseher, Musik, Kopfhörerboxen, Toilette, Km/h- Anzeige – ein Bus der Extraklasse. Da merkt man wirklich ganz konkret, das Chile viel mehr Geld an Bolivien hat. Das finde ich wirklich spannend in Südamerika – wie stark sich die einzelnen Länder voneinander unterscheiden. Und wie sehr der in Europa allgemein existierende Ruf Südamerikas, ein armer Kontinent voller Gefahren zu sein, einfach nicht zutrifft. Ich habe mich hier bisher noch nicht unsicherer gefühlt, als in Deutschland, Australien oder anderswo auf der Welt. Die Menschen sind freundlich, helfen einem weiter, versuchen vielleicht ein bisschen mehr Geld als nötig von einem für eine Taxifahrt zu bekommen – aber das passiert einem auch egal wo man ist. Natürlich ist Südamerika anders als Europa – aber das ist ja auch der Grund, warum man reisen geht oder nicht? Ich hatte gestern ein Gespräch mit einem anderen Deutschen, das in eine eher hitzige Diskussion geriet. Er ist seit 2 Monaten in Südamerika unterwegs und meinte, er bräuchte mal eine Woche Deutschland. Alles hier ist so dreckig, keine Seife auf den Toiletten, die Häuser sind nicht fertig gebaut, so viele Hunde auf den Straßen und, und, und. Warum die Menschen hier so unpünktlich sind, das wäre ja total respektlos und wieso können sie nicht Dinge, die kaputt sind, heil machen. Dieser deutsche Backpacker stellt für mich genau das dar, was mich häufig in Deutschland stört – eine Engstirnigkeit, dass unser Weg, an Dinge heranzugehen, einfach der Beste ist. Keine Frage, natürlich ist es gut, wenn Dinge repariert werden und Toiletten sauber sind. Aber diese Art und Weise, in ein anderes Land zu kommen und die eigenen Ansprüche auf das Land, in dem man Gast ist, zu übertragen – das geht meiner Ansicht einfach nicht. Andere Länder, andere Sitten, andere Kulturen. Und diese Kultur hat man zu akzeptieren. Klar, man muss sie nicht gut finden. Aber diese Überheblichkeit, die manche Touristen in fremden Ländern an den Tag legen bringt mich wirklich in Rage. Nur weil wir das aus einem am stärksten entwickelten Teil der Welt kommen, in dem vieles vielleicht auch besser läuft, kann man doch nicht diesen Standard auf andere Teile der Welt projizieren. Diese Genauigkeit, an Dinge heranzugehen (Er „Nenn mir doch mal drei Beispiele, warum dir dieses Land gefällt?“ Ich: „Nein, warum denn? Es gefällt mir einfach. Das kann man doch nicht an Beispielen festmachen!“), diese Engstirnigkeit und eine Überheblichkeit, die ich immer wieder nur an Menschen aus den reicheren Ländern der Welt bemerke – da könnte ich immer wieder im Dreieck springen. Aber gut, das soll an dieser Stelle reichen – ich werde innerlich schon wieder ganz fuchsig 😉

Boarding in der Atacama-Wüste
Boarding in der Atacama-Wüste

Also, wie ist es, allein unterwegs zu sein? Toll! Ich muss zugeben, zuerst hatte ich doch ein bisschen Muffensausen, denn so richtig allein allein bin ich doch noch nie gereist. In Australien hatte ich ja gleich zu Beginn Alina kennengelernt und war mit ihr unterwegs. Und auch ansonsten hatte ich eigentlich immer wen dabei, den ich kannte. Daher war es jetzt das erste Mal, in einem Teil der Welt weit weg von Zuhause ganz allein unterwegs zu sein. Und es ist super. Denn es macht wirklich so einen Unterschied, ob man allein oder zu zweit unterwegs ist. Zu zweit hat man immer jemanden neben sich. Man fühlt sich nie allein, man ist nie allein, man kann seine Erlebnisse und Eindrücke teilen. Ist man aber ganz allein unterwegs, gibt es keine andere Möglichkeit – man muss auf andere Menschen zugehen. Wenn man im Hostel nicht allein in der Ecke sitzen will, muss man aus sich herausgehen und die anderen Backpacker ansprechen. Und das ist eine Erfahrung, die einen wie ich finde, wirklich weiterbringt. Man kommt mit viel mehr Menschen in Kontakt. Auf einmal reden auch Männer mit mir 😉 Wenn du mit deinem Freund reist, bist du für die Männer immer nur die Freundin von jemandem. Bist du aber allein unterwegs, reden sie auf einmal mit dir… Ein anderer Vorteil des Alleireisens: du kannst wirklich zu 100 % genau das machen, worauf du Lust hast. Natürlich macht man auch zu zweit, dass, wonach einem ist, aber man macht doch einige Kompromisse. Keine großen, aber dennoch. Was habe ich also die letzten Tage gemacht? Ich war in San Pedro de Atacama, einer Wüstenstadt an der Grenze zu Bolivien. Der absolute Hippieort – großartig! Ich bin durch die Straßen geschlendert, saß im Café und habe Leute beobachtet. Ich war Sandboarding in der Wüste außerhalb der Stadt. Das ist wie Snowboarden, nur eben statt Berge Sanddünen hinunter. Nur leider ohne Lift, der einen wieder hinaufbringt – da musste man leider selbst wieder hochkraxeln. Obwohl Boarden auf Schnee definitiv mehr Kick mit sich bringt, weil man dort viel viel schneller ist, war es doch eine richtig coole Sache. Besonders, als mich ein ziemlich sportlich aussehender Amerikaner aus Miami nach Tipps fragte, wie man am besten in die Kurven geht – yeah, ich war also ganz gut! 😉 Abends saß ich dann mit den Besitzern meines Hostels und anderen Chilenen am Feuer, wir tranken Bier und ich versuchte mich in meinem Spanisch – es wird definitiv besser. Mir fehlen zwar noch etliche Vokabeln, aber ich verstehe immer mehr. Naja, bis sie alle anfangen schnell zu sprechen und in den landesüblichen Dialekt verfallen – dann ist es mit dem Verstehen vorbei. Gestern bin ich dann mit dem Bus nach Iquique gefahren. Das ist eine mehr oder minder schöne Stadt an der Küste im Norden Chiles. Diese Stadt könnte auch gut und gerne eine Stadt an der spanischen Küste sein, so sieht sie aus. Aber – endlich wieder am Ozean! (Ziemlich cool, wenn man bedenkt, dass ich innerhalb von 6 Wochen von der Ostküste Südamerikas bis zur Westküste gekommen bin.) Hier sitze ich gerade in einem Café 20 Meter vom Wasser entfernt, trinke meinen zweiten völlig überteuerten Cappuccino für umgerechnet 3,60 Euro (dann gibt’s wohl heute Abend wieder nur Spaghetti mit billiger Tomatensauce) und schreibe diese Zeilen. Momentan ist es relativ kühl, aber ich hoffe auf besseres Wetter morgen, denn dann will ich Surfen gehen. Mal sehen, ob noch irgendetwas von meinem einwöchigen Surfkurs vor 5 Jahren in Australien hängen geblieben ist. Und in ein paar Tagen fahre ich dann mit dem Bus wieder zurück nach Bolivien und treffe Mike in La Paz. Worauf ich mich freue! Denn obwohl mir Chile wirklich gut gefällt und ich gen Ende unseres Trips vielleicht nochmal den Süden Chiles sehen möchte – für meinen Geldbeutel ist es eindeutig zu teuer hier. Da bereise ich dann doch erstmal lieber die billigeren Länder und, so gut es auch ist, allein unterwegs zu sein – zu zweit ist es doch mindestens genauso schön! 🙂

Lago de Colorada
Laguna Colorada

Und hier noch ein paar verrückte Bilder vom “Fotoshooting” auf dem Salar de Uyuni:

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One thought on “Zusammen durch bolivische Salzflächen, alleine über chilenische Sanddünen

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