Camping in the Amazon

Der Amazonas
Der Amazonas aus der Luft

Der Amazonas-Dschungel – der größte Regenwald der Welt.  Er streckt sich aus über acht der zwölf Länder in Südamerika. In den tausenden von Hektar Dschungel findet man neben den verschiedensten Arten von Bäumen auch die unterschiedlichsten Tiere: Affen, Kaimane, Faultiere, tausende Arten von giftigen Insekten und natürlich die berühmt berüchtigte Anakonda. Dementsprechend hoch waren unsere Erwartungen, als wir uns im Flugzeug auf den Weg nach Iquitos machten, einer Stadt mitten im Amazonas im Nordosten Perus, die nur über Wasser oder Luft erreicht werden kann  – und wurden leider ein bisschen enttäuscht.

Schon seit Beginn unserer Südamerikareise freute ich mich auf den Amazonas. Neben dem Regenwald an sich wollte ich auch unbedingt zum Amazonas-Fluss. Der beginnt in Iquitos und fließt dann weiter über die peruanisch-kolumbisch-brasilianische Grenze hinein nach Brasilien. Da wir auf dieser Reise nicht mehr in den Norden von Brasilien kommen werden, war die einzige Möglichkeit also den teuren Flug nach Iquitos zu buchen und von hier aus den Fluss zu sehen. Aber meine Einstellung war: Wenn man schon mal so nah am Amazonas-Fluss dran ist, dann muss man da auch hin! Also ging es ab nach Iquitos. In der heißen Amazonasstadt angekommen, buchten wir vor Ort einen 4-tägigen Dschungeltrip, der sich absolut großartig anhörte: Man schlief in einer Dschungel-Lodge, machte Tages- und Nachttouren im Regenwald und sollte alle möglichen Tiere sehen. Ich freute mich riesig auf den nächsten Tag, an dem es losgehen sollte!

Ein gesichtetes Skorpion
Ein gesichtetes Skorpion

Leider war der Trip dann sehr viel unspektakulärer als erwartet. Unsere beiden Guides, die uns durch den Regenwald führten, waren glaube ich, noch nicht sehr erfahren, und so liefen wir oftmals völlig ziellos durch die Gegend. Zudem sahen wir kaum Tiere. Und dabei wollte ich so gerne eine Anakonda sehen! Denn so beeindruckend der Regenwald auch ist: Im Prinzip sieht er überall gleich aus. Nachdem man sich eine halbe Stunde durch Bäume, Sträucher und Büsche hindurchgeschlängelt hat, hat man einen Eindruck bekommen – und möchte Tiere sehen. Aber was mich am meisten enttäuschte: Alle Aktivitäten mit dem Boot fanden jenseits des Amazonas-Flusses statt. Die Lodge befand sich nämlich an einem anderen Fluss. Und somit sah ich den Amazonas-Fluss lediglich für wenige Sekunden, als wir uns an einer Flusskreuzung befanden, an dem der Amazonas mit zwei weiteren Flüssen zusammen fließt. Naja, aber wenigstens habe ich ihn kurz zu Gesicht bekommen.

Mein erster gefangener Fisch
Mein erster gefangener Fisch

Doch anstatt an dieser Stelle weiter über das Negative zu berichten, zähle ich lieber einmal die spannenden Entdeckungen unseres Trips auf: Als wir im Dunkeln, unsere einzigen Lichtquellen waren unsere Taschenlampen, durch den Dschungel liefen, sahen wir sowohl Taranteln als auch Skorpione, beides hochgiftig. Während wir nur wenige 100 cm von dem Skorpion entfernt standen, erklärte unser Guide uns, dass einem nur drei Stunden bleiben, wenn man von einem solchen Skorpion gebissen wird. Ich dachte nur: „Uh, schnell weiter!“ Eine weitere neue Erfahrung, die ich machte: ich fing zum ersten Mal einen Fisch. Wir waren an einem Nachmittag auf den Fluss hinausgefahren, um Piranhas zu fischen. Da Geduld aber nicht meine beste Stärke ist, wurde ich nach einiger Zeit, in der ich noch immer nichts gefangen hatte, langsam etwas missmutig. Insbesondere, da Mike schon einen Fisch gefangen hatte. Als sich dann meine provisorische Fischleine im Wasser an etwas verhakte und entzwei brach, war meine Laune wirklich im Keller. Mike gab mir dann aber seine Leine, damit ich es noch einmal probieren konnte und siehe da, nach einigen Minuten spürte ich etwas Schweres zappeln. Ich hatte etwas an der Leine! Langsam und vorsichtig, um den Fisch nicht wieder zu verlieren, hob ich die Leine an und mit vereinten Kräften schafften wir den zappelnden Fisch ins Boot. Ich hatte meinen ersten Fisch gefangen!

Das Highlight unseres Trips geschah dann aber am Abend. Wir fuhren mit unserem Boot über den Fluss zu einem Dorf, in dem ca. 100 Menschen leben. Die Menschen dort verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit den angrenzenden Reisfeldern. Neben dem Dorf liegt eine Lagune, die nur über enge Flusswege in Zwei-Mann-Kanus erreicht werden kann. Und in der Lagune leben Kaimane, eine Unterfamilie der Alligatoren, die ausschließlich in Südamerika zu finden sind. Ich saß also mit einem unserer Guides im Kanu, Mike mit dem anderen Guide. Mein Guide und ich fuhren schon einmal los, während Mike und sein Guide noch einmal das Kanu wechselten. Wir paddelten die engen Flusswege entlang, bis wir nach einer guten Viertelstunde endlich zur Lagune kamen. Die Lagune war wunderschön, nur vom Mond, unserer Taschenlampe und Glühwürmchen beschienen. Wir paddelten über die Lagune und hielten Ausschau nach den Augen der Kaimane, die im Dunkeln hell leuchten. Zuerst sahen wir eine ganze Zeit lang gar nichts – und dann plötzlich sahen wir sie: zwei helle Punkte in der Dunkelheit, am Rand der Lagune – ein Kaiman!

Mein erster gefangener Kaiman
Mein erster gefangener Kaiman

Wir fuhren so nah wie möglich ans Ufer, mein Guide sprang aus dem Boot und schlich sich an den Kaiman heran. Dieser machte einen Sprung – aber es war schon zu spät: der Guide hatte ihn gepackt und trug ihn zurück zum Boot. So kam es, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Babykaiman in meinen Händen hielt. Was für ein Gefühl. Davon musste ich ein Foto haben. Das Problem: Meine Kamera war im Dorf, der Akku war leer gewesen und nur im Dorf gab es einen Generator, um sie zu laden. Mike hatte seine Kamera dabei – aber das Kanu von Mike und seinem Guide war nirgendwo zu sehen. Also war die einzige Möglichkeit, Mikes Kanu entgegen zu paddeln. Da mein Guide aber beide Hände brauchte, um unser Kanu zu lenken, war es meine Aufgabe, den Kaiman zu halten. Habt ihr schon einmal eine halbe Stunde lang einen Kaiman in euren Händen gehalten? Ich hielt ihn so stark fest, ich dachte meine Hände fallen gleich ab. Zwischendurch dachte ich, er wäre tot, da er sich überhaupt nicht bewegte, aber dann versuchte er auf einmal mit aller Kraft, sich zu befreien. Was für ein Gefühl das war! Ich dachte nur: Wo ist Mikes Kanu? Wie lange muss ich dieses Tier mit seinen spitzen Zähnen noch festhalten? Wir verließen die Lagune, fuhren die Flusswege entlang und kamen schließlich am Bootssteg an. Dort trafen wir dann auch endlich auf Mike und seinen Guide und präsentierten stolz unseren Fang. Was für ein Erlebnis! Cool war auch unser letzter Abend im Amazonas: wir campten im Regenwald. Dafür fuhren wir wieder zu dem besagten Dorf, bauten im Dschungel unser Camp auf (jeder hatte eine Hängematte mitsamt Moskitonetz und Regendach, hängend zwischen zwei Bäumen), spielten Fußball mit den Dorfbewohnern und ließen den Abend mit ein paar Bier und dem Blick auf den Amazonas ausklingen.

Alles in allem bin ich froh, den Amazonas-Trip gemacht zu haben. Wir haben Dinge gesehen und erlebt, die einzigartig sind und die ich nicht missen möchte. Das Problem ist nur: Wenn man einmal so außergewöhnliche Trips wie unser 6-tägiger Dschungeltrip in Bolivien abseits von anderen Touristen und Backpackern gemacht hat, stellt man die gleichen Erwartungen an andere Trips. Und natürlich können nicht immer alle Trips gleich aufregend und abseits von allen anderen Touristen sein. Da vergisst man wahrscheinlich schnell, dass es dennoch beeindruckend ist, was man hier erlebt. Also: wertschätzen, was man erlebt, auch wenn es vielleicht nicht alle Erwartungen erfüllt!

Unser Camp im Regenwald
Riesiges Spinnennetz
Riesiges Spinnennetz
Den Weg frei machen mit der Machete
Medizin aus der Natur gegen das Jucken der Moskitostiche
Der Kaiman
Ein Flaschenhalter aus Baumrinde
Unter dem Giganten-Baum
Tarantel
Tarantel
Schwimmen im Fluss mit pinken Delfinen im Hintergrund
P1040375
Unsere Lodge
P1040368
Hinter uns der Amazonas-Fluss
Trinkwasser aus dem Baum
Trinkwasser aus dem Baum
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